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Sabrina Clement

Die Freiheit der Nutztiere

Lebenshöfe bieten Tieren in Notsituationen Schutz und geben ihnen ein sicheres, artgerechtes zuhause. Oft werden Tiere vor dem Schlachthof gerettet. Leonie war eines dieser Tiere. Mit 6 Wochen sprang das Schweinchen von einem Transporter und lebt heute auf dem Lebenshof «Hof Narr».

Titelbild Kuss SChwein
PROJEKTINFOS
Semester (Modul):
1. Modul
Fachbereich:
Content Creation & Online Marketing

Leonie hatte Glück. Mit 6 Wochen sprang das Schweinchen von einem Transporter. Heute lebt sie auf dem gemeinnützigen Lebenshof und Tierschutzverein „Hof Narr“ in Hinteregg, wo sie zusammen mit einigen Artgenossen bis zu ihrem natürlichen Lebensende friedlich weiterleben darf. Ihre Lebenserwartung hat sich, seit sie auf dem Hof lebt, ungefähr verfünfzigfacht. Ihre natürliche Lebenserwartung liegt bei 21. Ein Schwein, das in Nutztierhaltung lebt, wird im Durchschnitt 5 Monate alt. Danach werden die Tiere für ihr Fleisch geschlachtet. Schweinefleisch ist mit einem durchschnittlichen jährlichen Konsum von 21 Kg pro Person das beliebteste Fleisch in der Schweiz. 2020 lag der pro-Kopf-Konsum von Fleisch in der Schweiz bei 47.3 Kg. Der Zweck des Lebenshofs Hof Narr liegt in der Rettung von Tieren, der Sensibilisierung von Menschen und der Unterstützung anderer Bauern neue Wege, weg von Nutztierhaltung, zu finden.

Tierrettung

Genau wie ein Gnadenhof bieten Lebenshöfe Tieren in Notsituationen Schutz und geben ihnen ein sicheres sowie artgerechtes zuhause. Vielfach werden Tiere aus der Nutztierhaltung gerettet, die nicht mehr genug profitabel waren und sonst geschlachtet worden wären. Zudem nehmen die Höfe auch Haustiere auf, die nicht den genauen Zuchtkriterien entsprechen oder aus anderen Gründen kein Zuhause finden. Somit sind nicht nur Tiere aus der Milch-, Eier oder Fleischproduktion betroffen. Obwohl das eigene Pferd für viele ein treuer Freund und Begleiter ist, werden viele Pferde eingeschläfert, sobald sie keinen Nutzen mehr bringen. Einige landen sogar auf dem Schlachthof, wenn sie sich nicht reiten lassen, sie zu alt oder verletzt sind.

Schwein Leonie
Pferd_Stall
Ziege

Für Philippe, einen freiwilligen Helfer auf dem Hof Narr, sind die Tiere so viel mehr als nur Nutztiere. Sie haben eine spezielle Bindung zueinander und es ist eine tiefe Freundschaft zwischen ihnen entstanden. «Es fühlt sich nicht wie arbeiten an», sagt Philippe über seine Arbeit auf dem Hof. Für ihn ist es vielmehr eine Auszeit vom alltäglichen Leben. Er freut sich immer, die Tiere zu sehen. Diese rennen häufig freudig auf ihn zu und holen sich ihre Schmuseeinheiten, wenn er auf den Hof kommt. Philippe unterscheidet nicht zwischen Haustier und Nutztier. «Für mich sind sie einfach nur meine Freunde», sagt Philippe. Für ihn und das ganze Hof-Team ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sie ihre tierischen Freunde nicht essen. Im Gegensatz zu Gnadenhöfen ernähren sich die Betreiber:innen von Lebenshöfen vegan. 

Lebenshof

Die Definition eines Lebenshofes geht jedoch noch weiter als der reine Schutz der Tiere und einer veganen Ernährung. Die Betreiber:innen des Hofes setzen sich mit Öffentlichkeitsarbeit aktiv gegen Tierleid ein. Der Hof stellt gleichzeitig ein Schulungszentrum in Art von Hofführungen, Unterricht mit Tieren, Events, Vorträgen etc. dar. Das Wohl der Tiere steht auf einem Lebenshof im Vordergrund. Sie bekommen genug Auslauf und werden artgerecht gehalten. Schwein Leonie darf sich zusammen mit ihren Artgenossen im Schlamm suhlen, die grosszügige Weide umbuddeln und die Helfer nehmen sich immer genug Zeit, um mit den Tieren zu spielen und zu schmusen. Sie sollen keine Nutztiere mehr sein und dürfen ganz friedlich ihr Leben geniessen und frei von jeglichen Pflichten einfach nur Tier sein.

TransFARMation

Ein weiterer wichtiger Teil des Lebenshofs Hof Narr liegt in der «TransFARMation». Bei diesem Prozess wurde bereits über 70 Höfen bei der Umstellung von einer Nutztierhaltung zu einer gänzlich pflanzenbasierten Landwirtschaft geholfen. Immer mehr Bauern haben Mühe damit, ihre Tiere zu schlachten. Auch wenn es schon immer so gemacht wurde, entsteht bei der täglichen Arbeit mit den Tieren eine gewisse Verbundenheit.

Viele Bauern sehen jedoch keinen Ausweg, trauen sich nicht den Schritt zu wagen oder haben die finanziellen Mittel nicht, um den Umstieg auf eine pflanzenbasierte Landwirtschaft zu machen. Bei der TransFARMation wird eine individuelle Lösung gesucht und der Hof wird mit Beratung, Hilfeleistungen oder einem finanziellen Vorschuss unterstützt.

Neben den Höfen gibt es auch bei den Konsumenten einen Trend Richtung Veganismus. 2021 ernährten sich mit 0.6 % der Schweizer Bevölkerung bereits doppelt so viele vegan wie noch im Vorjahr. Bei der jüngeren Bevölkerungsgruppe zwischen 14 und 34 Jahren liegt der prozentuale Anteil an Veganern mit 1.2 % noch höher. Die Umstellung auf einen pflanzlichen Betrieb ist zudem wesentlich umweltfreundlicher sowie ressourcenschonender. So braucht es für den Anbau von 1 kg Kartoffeln beispielsweise lediglich eine Fläche von 0.3 m2 und 130 Liter Wasser, während es für die Produktion von 1 kg Rindfleisch 33 m2 Land und 15’490 Liter Wasser braucht.

Ein weiterer Vorteil der pflanzenbasierten Landwirtschaft stellt der Verzicht von Antibiotika dar. 73 % der weltweit hergestellten Antibiotika werden für Tiere verwendet (Chemnitz u. a. 2021). Durch den starken Gebrauch der Substanz entstehen immer mehr Antibiotikaresistenzen. Damit bietet die Umstellung auf einen veganen Betrieb neben dem Verzicht auf Tierleid noch einige weitere Vorteile.

Fazit

Die Arbeit von Lebenshöfen macht für viele Tiere einen grossen Unterschied. Sei es durch eine Rettung selbst oder durch die Öffentlichkeitsarbeit, die den Menschen das Tierleid der Nutztierhaltung näherbringt und den Trend Richtung Vegetarismus und Veganismus fördert. Zudem wird zum Denken angeregt und für viele kommt es zu einem neuen Bewusstsein. Häufig ist es den Leuten zwar bewusst, dass Nutztierhaltung ein Tierleid mit sich bringt, jedoch wird es oftmals als normal erachtet und nicht weiter hinterfragt. Vielen Hofbesuchern fällt es danach schwerer, Fleisch zu konsumieren, wenn sie Tiere wie Leonie persönlich kennenlernen durften und gesehen haben, wie verspielt die Tiere sind und wie gerne sie menschliche Nähe haben. Auf einmal ist es nicht mehr nur (Schweine-) Fleisch, das auf dem Teller landet. Es hätte Leonie und ihre Freunde vom Hof sein können. Dieselben Tiere, an denen man sich auf dem Hofbesuch so sehr erfreut hat.

Der Autor
Die Autorin

Studiert seit März 2022 Content Creation & Online Marketing am SAE Institut Zürich und seit September 2020 BWL an der Universität Bern. Die Arbeiten im Bereich Content Creation sind ein kreativer Ausgleich zum sonst eher theoretischen Studium an der Uni.

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